Stille Kämpfe, laute Gedanken #15: Zu wissen, wie es sich anfühlt

Stille Kämpfe, laute Gedanken #15: Zu wissen, wie es sich anfühlt

Das Folgende habe ich im Januar geschrieben, aber irgendwie passt es gerade schon wieder – nur andersherum, als man denkt.

Wenn es einem selbst nicht gut geht, wenn alles zu viel wird oder die Gefühle nicht zu kontrollieren sind, dann ist das erst einmal so. Es ist wie es ist, man lernt irgendwann, dass das so ist und eben auch okay ist.

Auch wenn es sich in diesem Moment nicht so anfühlt: Irgendwo hat man es doch selbst in der Hand. Bzw. man muss es mit sich selbst ausmachen – selbst dann, wenn man das Gefühl hat, überhaupt keine Kontrolle mehr zu haben. Viele ziehen sich dann zurück. Bleiben bei sich. Belasten niemanden. Nicht, weil es leicht ist – sondern weil die Angst da ist, jemandem zur Last zu fallen. Zu nerven. Zu viel zu sein. Eben eine Last zu sein. 

Egal ob man stationär ist, zu Hause oder irgendwo dazwischen: Man versucht, das allein durchzustehen. Man will es mit sich selbst ausmachen. „Sie können mir sowieso nicht helfen“ – einer meiner Standardsätze, den ich gerne mal Therapeutin etc. um die Ohren werfe und damit indirekt viele auch regelmäßig vor den Kopf stoße. Und ja – das durchzuleben ist schlimm. Sehr schlimm.

Aber auf eine andere, ganz eigene Art schlimm ist es, wenn man weiß, dass Menschen um einen herum gerade kämpfen. Wenn man es spürt. Wenn man es fühlt. Wenn man es eben einfach weiß. Egal wie breit das Lachen gespielt wird. Und gefühlt nichts tun kann. Dann hat man plötzlich gar nichts mehr in der Hand.

Man will helfen, alles geben, alles möglich machen – und darf es nicht oder kann nicht. Diese Hilflosigkeit lähmt und tut sehr sehr weh. Sie bringt Gefühle und Kontrollverlust mit sich, die schwer auszuhalten sind.

Aus Erfahrung glaube ich sagen zu können: Menschen, die selbst schon einmal ganz ganz unten waren, versuchen oft alles, um genau das ihrem sozialen Kreis zu ersparen.

Der Familie. Freunden. Leidensgenossen. Dem Partner oder der Partnerin. Sie wollen nicht, dass andere so fühlen müssen – oder es zu lange ertragen müssen. Und dann noch alleine. Wenn sich diese Menschen dann zusätzlich noch Hilfe verweigern, weil sie glauben, sie seien eine Belastung oder zu viel, schließt sich ein schmerzhafter Kreis.

Man steht an diesem Punkt: Gelähmt. Ohnmächtig.

Und das tut eben sehr, sehr weh. Weil man weiß, wie es ist.

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